Bericht BERNEXPO GROUPE

Die Geschäftstätigkeiten der BERNEXPO GROUPE wurden durch die Coronakrise stark beeinträchtigt. Als Folge der von Bund und Kantonen verfügten Restriktionen wurde unser Kerngeschäft – die Durchführung von Eigen- und Gastveranstaltungen auf dem BERNEXPO-Gelände sowie die Vermietung der Infrastruktur an Dritte – ab Frühling 2020 praktisch stillgelegt.

Dabei war und ist noch nicht absehbar, wie lange die Pandemie andauert. Die vorgenommenen Strukturanpassungen unterlagen, in Abhängigkeit von den sich behördlich laufend ändernden Einschränkungen, einem iterativen Prozess. Da unsere Geschäftstätigkeit durch hohe Fixkosten geprägt ist und einer personalintensiven Planungszeit bedarf, wirken sich Kostensenkungs- und Restrukturierungsmassnahmen erst mit relativ grossen zeitlichen Verzögerungen aus. Der aufgrund des Geschäftsverbots wegfallende Umsatz und die hohen Fixkosten schlagen hingegen in unserer Erfolgsrechnung direkt auf Gewinn- bzw. Verlustebene zu Buche.

 

Lagebericht

Aufgrund des bundesrätlichen Verbots von Grossveranstaltungen mussten ab März 2020 sämtliche Eigen- und Gastveranstaltungen – darunter unsere traditionelle Frühlingsmesse BEA sowie die Fachmessen Suisse Public, SINDEX und ORNARIS – abgesagt oder verschoben werden. Wichtige Gastveranstaltungen wie die Fachmesse für Land- und Forsttechnik AGRAMA und die Berufsmeisterschaften SwissSkills konnten ebenfalls nicht durchgeführt werden und sind provisorisch für 2021 oder 2022 vorgesehen. Unmittelbar nach Ausbruch der Krise hat die BERNEXPO GROUPE mit der Ausarbeitung von umfangreichen Schutzkonzepten begonnen, um geplante Messen und Veranstaltungen im Falle einer Verbesserung der epidemiologischen Lage baldmöglichst durchführen zu können. Der im Oktober 2020 begonnene Suisse Caravan Salon musste jedoch aufgrund eines vom Regierungsrat des Kantons Bern ad hoc beschlossenen Messe-Durchführungsverbots nach zwei erfolgreichen Tagen vorzeitig abgebrochen werden. In der Folge mussten die ebenfalls für Ende Oktober geplante Berufs- und Ausbildungsmesse BAM sowie weitere kleinere Gastmessen abgesagt werden.

 

Sicherstellung des Kerngeschäfts

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sind für unser Unternehmen einschneidend. Um den finanziellen Verlust möglichst einzuschränken, wurde für einen möglichst grossen Teil der Belegschaft Kurzarbeit beantragt, nicht zeitkritische Projekte wurden sistiert sowie verbrauchsabhängige Leistungen wo immer möglich reduziert. Hinzu kamen Verhandlungen mit Lieferanten, Vermietern, Verbänden und weiteren Geschäftspartnern, um Kosteneinsparungen oder Nachlässe und Stundungen zu realisieren. Die Organisationsstruktur wurde laufend der unsicheren Situation angepasst und ab Herbst liessen sich Entlassungen nicht mehr verhindern. Aus persönlichen Gründen entschloss sich zu diesem Zeitpunkt bedauerlicherweise unsere CEO, Frau Jennifer Somm, das Unternehmen per Ende April 2021 zu verlassen.

 

Messepark Bern AG und Stammhausstruktur

Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde die Beteiligung an der Messepark Bern AG von 77,6 % auf 32,6 % reduziert. Dieser Verkauf entspricht den langfristigen, strategischen Zielsetzungen der BERNEXPO GROUPE. Trotz der besonderen wirtschaftlichen Lage konnte die Transaktion erfolgreich umgesetzt werden, was nicht zuletzt das hohe Commitment und Vertrauen der neuen Aktionäre gegenüber der BERNEXPO GROUPE und ihrem Geschäftsmodell zeigt. Dank dem Aktienverkauf konnte die Liquidität der BERNEXPO AG über weite Strecken gesichert werden. Trotz dem ausserordentlichen Verkaufserlös wurde vorsichtshalber im Rechnungsjahr 2020 ein Covid-19-Kredit beantragt. Im Weiteren gaben die Aktionärinnen und Aktionäre an der Generalversammlung 2020 mit einer Änderung der Statuten der BERNEXPO HOLDING AG grünes Licht für die Fusion mit der Betriebsgesellschaft und den Wechsel von einer Holding- zu einer Stammhausstruktur. Auch dieser Schritt trug dazu bei, dass die BERNEXPO AG als fusionierte Gesellschaft die Krise dank ausreichender Kapitalisierung besser meistern konnte als in ihrer bisherigen Form als Tochtergesellschaft.

 

Bildung eines Krisenstabs

Auf organisatorischer Ebene wurde als unmittelbare Reaktion auf den Ausbruch der Pandemie ein Krisenstab, bestehend aus Mitgliedern des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung, zur Bewältigung der ausserordentlichen Herausforderung formiert. Zudem wurden neue digitale Formate und alternative Nutzungskonzepte entwickelt. Dabei standen der Schutz sowie die Gesundheit und Sicherheit aller Mitarbeitenden und Geschäftspartner im Vordergrund. Ausserdem wurden die Einführung von Arbeit im Homeoffice sowie die Umsetzung behördlicher Schutzmassnahmen im Betrieb verordnet.

 

Umsatz mit Zusatzgeschäften

Angesichts der ausserordentlichen Lage hatten Schnelligkeit und Flexibilität für die BERNEXPO GROUPE im vergangenen Geschäftsjahr eine hohe Priorität. Auf dieser Basis verzeichnete das Unternehmen 2020 auch einige Lichtblicke: Durch kurzfristige Alternativnutzungen konnte ein Zusatzumsatz von rund CHF 7 Mio. generiert werden. Dazu gehörten die Sessionen des Bundesparlaments und des Grossen Rats des Kantons Bern, die Zwischennutzung durch die Kommissionen des Parlaments, ein Corona-Drive-in-Testzentrum, Corona-konforme Tagungen und die Durchführung von Examen zahlreicher Bildungsinstitutionen sowie ein Walk-in-Kino und ein Lunapark.

 

Hybride Formate und Livestream-Plattform

Die BERNEXPO GROUPE arbeitete in dieser schwierigen Lage unter Hochdruck daran, ihre Position als innovative Leaderin im Live-Marketing-Sektor weiter zu festigen. Dabei wurden zahlreiche Formate in hybrider Form durchgeführt – allen voran das HeroFest im Oktober. Mehrere hundert Besuchende verfolgten das Festival für Esports, Gaming und Cosplay unter Einhaltung strenger Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen in den BERNEXPO-Hallen. Via Livestreams konnten 300 000 Einschaltungen und rund 1,6 Millionen sogenannte «Watched Minutes» generiert werden. Ausserdem antwortete die BERNEXPO GROUPE auf das durch die Pandemie stark gestiegene Bedürfnis nach Standardlösungen für Live-Streaming: Zusammen mit unserem Partner Newsroom Communication wird mit dem Streaming-Studio 7 in den Kongressräumen der BERNEXPO eine skalierbare Grundlösung für unterschiedlichste Event-Formen angeboten. Die BERNEXPO-Kongressräume und -Hallen bieten viel Gestaltungsfreiraum und diverse Umsetzungsmöglichkeiten für Events aller Art.

 

Geschäftsverlauf

Das Resultat des vergangenen Geschäftsjahres ist massgeblich durch die Coronakrise beeinflusst. Beim Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr ein Einbruch von rund 51 % zu verzeichnen, da ab März keine Messen und grössere Events mehr durchgeführt werden konnten. Im Vergleich zum Budget, welches aufgrund des vorteilhaften Messemixes für das Jahr 2020 ein Rekordergebnis vorsah, beträgt der Umsatzeinbruch sogar über 60 %.

Der konsolidierte Umsatz für das Geschäftsjahr 2020 der BERNEXPO GROUPE beträgt CHF 24,4 Mio. (Vorjahr: CHF 49,7 Mio.). Der Betriebsaufwand konnte aufgrund der hohen Fixkosten für die Infrastruktur, angefallenen Kosten für abgesagte oder verschobene Veranstaltungen sowie der seit Mitte Jahr veränderten Konsolidierungspraxis mit der neuen Minderheitsbeteiligung an der Messepark Bern AG bzw. der neu berücksichtigten externen Mietaufwände nicht im gleichen Ausmass wie der Umsatz reduziert werden und beträgt CHF 35,3 Mio. (Vorjahr: CHF 40,9 Mio.). Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) liegt bei CHF –10,9 Mio. (Vorjahr: CHF 8,8 Mio.). Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) beträgt CHF –17,1 Mio. (Vorjahr: CHF 2,4 Mio.) und das konsolidierte Jahresergebnis CHF –16,1 Mio. (Vorjahr: CHF 2,1 Mio.).

Der Cashflow fällt mit CHF –15,0 Mio. (Vorjahr: CHF 4,9 Mio.) negativ aus, vorwiegend bedingt durch den hohen Konzernverlust. Die konsolidierte Eigenkapitalquote liegt im Berichtsjahr bei 67,8 % und damit deutlich über dem Vorjahr (+17,4 Prozentpunkte gegenüber 2019), was vorwiegend auf die Dekonsolidierung der Mehrheitsbeteiligung an der Messepark Bern AG zurückzuführen ist. Damit verfügen wir, trotz starker Abnahme der Bilanzsumme, über eine sehr gesunde Bilanz.

Der durchschnittliche Personalbestand der BERNEXPO GROUPE betrug im Berichtsjahr 116,6 Vollzeitangestellte (Vorjahr: 146), was hauptsächlich auf den Verkauf der Tochtergesellschaft Republica per Ende 2019 zurückzuführen ist. Aufgrund der im vierten Quartal umgesetzten Restrukturierungen wird sich der Personalbestand im ersten Quartal 2021 weiter reduzieren.

Wegen der durch die Coronakrise auf unbestimmte Zeit vorherrschenden Ungewissheit sowie der aktuell beanspruchten Covid-19-Kredite des Bundes beantragt der Verwaltungsrat der kommenden Generalversammlung vom 11. Mai 2021, auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten. Mit diesem Schritt soll gewährleistet werden, dass ausreichend liquide Mittel für das operative Kerngeschäft zur Verfügung stehen und die BERNEXPO GROUPE die Krise schadlos meistern kann.

 

Risikomanagement

Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung haben die jährliche Risikobeurteilung durchgeführt. Die relevanten Risiken wurden bewertet sowie entsprechend ihrem Schadenspotenzial und der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet. Zur Risikominimierung wurden verschiedene Massnahmen definiert.

 

Ausblick

Wir sind überzeugt, dass das Bedürfnis nach physischen Begegnungsorten auch in Zukunft höchste Wichtigkeit hat und ideal mit digitalen Touchpoints ergänzt werden kann. Messen und Veranstaltungen sind ein wichtiger Impuls für Innovation und Fortschritt – persönliche Begegnungen ein elementarer Treiber eines positiven gesellschaftlichen Miteinanders. Sobald die Pandemie überwunden ist, geht die BERNEXPO GROUPE davon aus, dass ein überdurchschnittliches Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen besteht und dies einen Aufschwung unserer Geschäftstätigkeit auslösen wird.

Im laufenden Jahr kommen mehrere Online-Formate zur Austragung, welche die BERNEXPO GROUPE als Antwort auf die Coronakrise entwickelt hat. So zum Beispiel die BAM.CONNECT, die Online-Ausgabe der Berufs- und Ausbildungsmesse BAM, vom 24. bis 26. März 2021. Hinzu kommt die INNOTEQ.DIGITAL, die digitale Ausgabe der Leitmesse der Schweizer Fertigungsindustrie vom 19. bis 20. Mai 2021. Auch die SINDEX, die Schweizer Fachmesse für Automatisierung, findet vom 31. August bis zum 2. September 2021 erstmals in hybrider Form statt.

Die BERNEXPO GROUPE richtet ihren Blick entschlossen auf die Zeit nach der Pandemie mit dem Ziel, die Position des Unternehmens weiter zu stärken und auszubauen. Ein wichtiger Meilenstein ist die Realisierung der Neuen Festhalle. Bei der Abstimmung vom 7. März 2021 haben die Stadtberner Stimmberechtigten der Überbauungsordnung Mingerstrasse-Papiermühlestrasse und dem Investitionsbeitrag der Stadt von CHF 15 Mio. an die Gesamtkosten von rund CHF 95 Mio. zugestimmt. Die Bevölkerung hat damit in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld einen zukunftsgerichteten Entscheid gefällt. Dieses Resultat ist für uns hoch erfreulich. Mit der Realisierung des Generationenprojekts Neue Festhalle werden wir einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung eines vielfältigen Kultur- und Unterhaltungsangebots mit Strahlkraft über die Stadt hinaus in die Region und in die ganze Schweiz leisten.

Das Umfeld im Jahr 2021 wird entsprechend den anhaltenden Corona-Restriktionen schwierig bleiben. Mit den eingeleiteten Massnahmen setzen wir alles daran, im laufenden Jahr ein ausgeglichenes Resultat zu erwirtschaften.

Im Namen des gesamten Verwaltungsrates bedanken wir uns bei unseren Mitarbeitenden für ihr uneingeschränktes Engagement in diesem schwierigen Geschäftsjahr 2020 und bei Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, für Ihre Treue zu unserem Unternehmen.

 

Franziska von Weissenfluh                                                       Peter Stähli

Co-Präsidentin des Verwaltungsrates                                     Co-Präsident des Verwaltungsrates

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